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05. April 2025 - 03:48
 

Videospiele-Branche fordert sachliche Debatte über Amoklauf von Winnenden

VerschiedenesAm zweiten Tag nach dem Amoklauf eines 17-Jährigen in Baden-Württemberg werden Forderungen nach einem Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen lauter. So fordert der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Hans-Peter Uhl, ein totales Verbot von "Killerspielen". Dieses dürfe nicht vom Alter der Nutzer abhängen, sondern müsse generell gelten, sagte er der Thüringer Allgemeinen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte sich gestern bereits in einem Radio-Interview in diese Richtung geäußert. Er wolle einen neuen Anlauf im Bundesrat unternehmen, besonders gewaltverherrlichende Spiele verbieten zu lassen. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) wendet dem entgegen heute in einer Mitteilung ein, nach derzeitigen Informationen sei ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Konsum gewalthaltiger Medien und dem Amoklauf nicht erkennbar.

Noch im September vorigen Jahres herrschte in der CDU/CSU keine Einigkeit über ein Verbot von Gewalt-Computerspielen. Heute wie seinerzeit erhalten die Befürworter Unterstützung von Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Instituts in Hannover. Er meint, in Krisensituationen könnten "Killerspiele" durchaus solche Gewalttaten auslösen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sieht einem Bericht des Hamburger Abendblatts zufolge eine Prüfung des Verbots als nötig an, warnte aber auch vor einem "politischen Wettlauf" der Forderungen. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sagte laut der Zeitung Neue Presse, "mit einem Ruf nach schärferen Gesetzen machen wir es uns zu leicht". Die Waffengesetze und die Vorschriften für gewaltverherrlichende Computerspiele seien gerade erst verschärft worden.

Der BIU schreibt in seiner Mitteilung, der Blick auf die eigentlichen Tatumstände dürfe nicht durch eine unsachliche Debatte über ein Verbot von "Killerspielen" verstellt werden. "Die vielen Todesopfer des tragischen Vorfalls von Winnenden erfordern einen sachgerechten Diskurs zu den Hintergründen des Geschehens." Die aktuelle Forderung der CDU/CSU-Fraktion nach einem schärferen Verbot für Computer- und Videospiele sei daher "vollkommen unangemessen und nicht zielführend". Es sei kein Versagen es Jugendschutzes festzustellen. Die aktuelle Gesetzeslage verbiete bereits heute die Verbreitung von gewaltverherrlichenden Computer- und Videospielen auf der Grundlage des Strafgesetzbuches. Der Bundesverband G.A.M.E. unterstützt die Reaktion des BIU.

Der 17-jährige Tim K. hatte vorgestern in der Albertville-Realschule in Winnenden neun Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf der Flucht vor der Polizei tötete er drei weitere Menschen und schließlich sich selbst. Erste Untersuchungen des Computers des Amokläufers ergaben, dass darauf der Ego-Shooter Counter-Strike installiert war. K. soll sich nach Angaben der Polizei die vergangenen Monate intensiv mit Gewalt-Computerspielen beschäftigt haben. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech hatte gestern in einer Pressekonferenz gesagt, der Amokläufer habe seine Tat im Internet angekündigt. Dazu wurden Passagen aus einem Gespräch in einem Internet-Forum präsentiert, das der 17-Jährige angeblich mit einem Gleichaltrigen aus Bayern in der Nacht vor dem Amoklauf geführt hatte. Inzwischen wurde bekannt, dass auf K.s Computer dafür keine Nachweise gefunden wurden und das angebliche Beweisbild offenbar gefälscht war. Im Laufe des Tages will die Polizei dazu noch angebliche Zeugen befragen. Rech rechtfertigte sich laut einem Bericht des Stern: "Wir haben nur den aktuellen Stand der Ermittlungen mitgeteilt. Ermittlungen sind, während sie laufen, immer Momentaufnahmen. Insofern wurden die Ermittler von der Aktualität eingeholt."

In Nürnberg wurde derweil heute die größte Waffenmesse der Welt IWA eröffnet. "Wir sind entsetzt und erschüttert über die Ereignisse", sagte Petra Wolf von der veranstaltenden NürnbergMesse laut einem Bericht des Münchner Merkur. Auch Hersteller und Händler hätten sich tief betroffen gezeigt, aber zugleich vor einer übereilten Verschärfung des Waffenrechts gewarnt.

Während Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble so wie Rech die Auflagen für den Waffenbesitz als streng genug einschätzt, richtet Bundesjustizministerin Brigitte Zypries einen Appell an die Schützenvereine. Sie sollten ihre Mitglieder besser kontrollieren und in die Verantwortung nehmen, sagte die Ministerin laut einem Interview mit der Rheinischen Post. Zum Thema Gewalt-Computerspiele sagte sie: "Ich kenne viele Heranwachsende, die in einem bestimmten Alter etwa Counter-Strike spielen oder gespielt haben, aber deswegen noch lange nicht zu Gewalttätigkeiten neigen." Es dürfe nicht unterschätzt werden, dass ein Verbot manche Spiele auch erst interessant mache.

Links:
- Quelle
- Die Diskussion über "Killerspiele" (c't Artikel)

Kommentare

#1   mastarpi , 13. Mär 2009 - 18:03
War klar, dass die Disskusion mit Killerspielen wieder losgeht.. Wenn man 17 Waffen im Haus hat ist das in Ordnung, aber wenn man Killerspiele spielt gehört man zum gesellschaftlichen Abschaum und ist ein potenzieller Amokläufer.. Ò_Ó
#2   Dazhar , 13. Mär 2009 - 18:27
was bringt mehr: keine waffen oder keine "killerspiele"? Angry
#3   Flush88 , 13. Mär 2009 - 19:51
was will man auch erwarten. alles ahnungsloses wichtigtuer geschwafel
#4   Blackcat , 13. Mär 2009 - 22:16
Ich zitiere mal aus meinen News:
Man kann nicht ausschließen, dass gewalttätige Spiele auf labile Persönlichkeiten einen schädlichen Einfluss haben. Kunczik und Zipfel (2006) stellten fest, dass unter bestimmten Voraussetzungen gewalttätige Medieninhalte, zu denen auch Berichterstattung über reale Gewalt zählt, zur Steigerung der Gewaltbereitschaft führen können. Allerdings konnte eine in Ausgabe 13/2007 von Psychologie, Crime & Law veröffentlichte Studie keinen Zusammenhang zwischen der Benutzung von "Killerspielen" und einem gesteigerten Gewaltpotential herstellen.
Quelle: Die Presse


Die dt. Politiker sollten mal die Studie lesen. Angry
#5   MaulWorf , 14. Mär 2009 - 11:33
diese Diskussion tritt jedes mal auf wenn ma wieder son total durchgedrehter psycho durchdreht. doch Deutschland macht bestimmt allein nur durch killerspiele einen steuerumsatz auf den sie net verzichten können und selbst wenn müssten sie sowas Europa weit verbieten - sonst könnten wir es uns ja einfach aus dem ausland bestellen.

achso und wer weiß, ob er net ohne die killerspiele schon viel früher in die schule grant währe, da ihn diese spiele wohl auch Aggressionen abbauen ließen (bis es net mehr ausreichte...)
#6   j1nzo , 14. Mär 2009 - 12:57
traurig, dass diese debatte jedesmal auf dem rücken der opfer/hinterbliebenen geführt wird. dabei kommt mir das ganze immer so vor, als ob ein blinder boxer wie wild um sich schlägt in der hoffnung seinen gegner zu treffen, ohne jegliche ruhe und sachlichkeit.
komisch, dass menschen psyschiche schäden haben können, seit jahren in betreuung sind und dennoch zugriff auf waffen haben. hmm klingt für mich auch nach cs und bf als gründe.
btw hat man dem herrn pfeifer eigentlich nicht die zulassung entzogen, da er mit seinen unsinnigen vorstellungen immer wieder übers ziel hinausstösst?
mfg
jinz-sparrow
#7   Ladlow , 15. Mär 2009 - 07:15
das sind nicht die killerspiele, das liegt einfach an den deutschen, die sind doch alle verrückt Grin
#8   MaulWorf , 16. Mär 2009 - 19:10
ach jetzt wird alles verwendet was man in den Medien platt reden kann z.b. haben sie bei ihm Fischstäbchen gefunden - das heißt: jeder der Fischstäbchen hat ist Amok gefährdet und so weiter...
#9   Blackcat , 18. Mär 2009 - 14:42
*brechreizunterück*

Nach dem Amoklauf in Winnenden wurde die Diskussion um Ego Shooter und Co. natürlich erneut entfacht. Wir wollen hier aber nicht den blinden Aktionismus breittreten, sondern euch viel mehr von den Folgen berichten:

Als erste Handelskette hat nämlich jetzt Galeria Kaufhof entschieden, fortan keinerlei Spiele mehr ohne Altersfreigabe anzubieten. Damit verzichtet das Unternehmen auf Bestseller wie GTA IV, Resident Evil 5 und zahlreiche andere Top Hits, da in Deutschland ja recht viele Spiele als "ab 18" eingestuft sind.

Die Pressesprecherin des Unternehmens äußerte sich gegenüber PCgames.de mit folgendem Statement:

"Galeria Kaufhof hat aufgrund der Geschehnisse in Winnenden entschieden, USK-18-Computerspiele aus dem Verkauf zu nehmen. Dies hat bundesweit in den Filialen bereits begonnen. Werbeware aus den Prospekten März wird noch bis Ende des Monats abverkauft. Ab April 2009 wird Galeria Kaufhof keine USK-18-Computerspiele mehr im Sortiment führen.

Darüber hinaus sind alle Mitarbeiter an den Kassen und im Verkauf nochmals für das Thema Jugendschutz sensibilisiert worden. Mit diesem Schritt möchte das Unternehmen ein weiteres Zeichen für eine soziale und gesellschaftspolitische Verantwortung setzen"

Und somit ist die erste Handelkette aus fadenscheinigen Gründen auf den Zug der Ignoranz aufgesprungen, nur weil anscheinend ein paar Erziehungsberechtigte Ihre Pflichetn nicht wahrnemen konnten. Echt traurig!
#10   mastarpi , 18. Mär 2009 - 14:54
Achnee.. was soll man dazu noch sagen.. wird Zeit, dass die ganzen alten Säcke so langsam von ihrem Amt zurück treten, so dass einen neue, augeklärtere Generation das Sagen hat. Die Opis im Bundestag haben doch null Plan in dieser Beziehung und rechenen bestimmt noch mit nem Abakus die Steuern für 2010 aus..

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